Nach allem was ich bisher von Pattaya gehoert hatte, wollte ich eigentlich einen moeglichst grossen Bogen um den Ort machen. Bezeichnungen wie 'groesster Puff der Welt' oder 'Strand mit angeschlossenem Puff' liessen schon ungefaehr erahnen was uns dort zu erwarten hatte. Ehrlich gesagt war ich schon ein wenig neugierig das mal mit eigenen Augen zu sehen und die Vorstellung mal fuer ein paar Tage in dem luxus-Apartment, das Bernhard sehr billig uebers Internet gebucht hatte, zu wohnen war irgendwie auch ganz nett. Ausserdem wollte ich ja eh nach Kambodscha und Pattaya liegt praktisch auf dem Weg dorthin. Ich hatte also genug ausreden mich in den Bus nach Pattaya zu setzen.
Berhard und ich sind auf unterschiedlichen Wegen dort hin gefahren weil ich mich natuerlich mal wieder auf eigene Faust durchschlagen musste. Das Taxi, dass mich zur Bushaltestelle gebracht hat hat schliesslich fast die Haelfte von Bernhards all-inc Ticket gekostet...
Das Zimmer war wirklich das beste, das ich auf dieser Reise bisher zusehen bekommen hab. Grosses Schlafzimmer mit grossem Flatscreen und DVD-Player und - tadaa - eine Kueche mit den meisten Sachen die man so zum Kochen braucht. Die folgenden Tage koennten ohne weiteres als Fressorgie bezeichnet werden. Waehrend Prawns mit etwa 180Baht pro 100 Gramm im Restaurant einfach unverhaeltnismaessig teuer sind, bekommt man die gleichen Prawns im Supermarkt fuer 250Baht das Kilo. Sich durch das gesamte Seafood-Angebot von Markt und Supermarkt zu fressen ist, selbst in den zwei Wochen die wir schliesslich in Pattaya verbracht haben, unmoeglich gewesen. Wir haben allerdings hart daran gearbeitet.
Nach zwei Tagen Kochaction musste ich wiederwillig den Kochloeffel aus der Hand geben. Auf dem Rueckweg von einem unserer Einkaeufe mussten wir in einer Bar halt machen, nachdem es angefangen hatte Sintflutartig zu regnen. Aus dem fuer ein Bier geplanten Aufenthalt wurden schliesslich mehrere Stunden. Obwohl die Bar eigentlich harmlos aussah, hat es keine zehn Minuten gedauert, bis das erste Barmaedchen an unserem Tisch sass. Als es endlich aufgehoert hatte zu regen sass sie immernoch dort und meine guten Vorsaetze so etwas doch besser bleiben zu lassen waren von einigen Bieren schon so weichgespuelt, dass ich ihrem 'I go with you' nichts mehr entgegenzusetzen hatte.
Der Rueckweg gestaltete sich als schwierig. Der stundenlange Dauerregen hatte die Strasse zum Appartment in einen kleinen Fluss verwandelt. Ich kann mich noch sehr gut an den Moment erinnern, in dem mir Bewusst wurde, wie skurril das eigentlich ist mit einem Barmaedchen an der Hand durch eine knietief ueberschwemmte Strasse zu waten.
Bei dem sven-eleven neben unserem Hotel war nach der Ueberschwemmung der Strom ausgefallen und der Laundry-Service, bei dem ich am Tag zuvor meine Waesche abgegeben hatte, stand etwa einen halben Meter unter Wasser.
Endlich am Appartment angekommen, wollten wir uns dran machen den Heilbutt, den wir noch im Kuehlschrank hatten, in die Pfanne zu hauen. Jen, das Barmaedchen, war einfach nicht damit einverstanden, dass ich den Fisch selber zubereiten wollte also wurde ich zum Kuechenhelfer degradiert. So richtig bereut hab ich das anschliessend nicht, der Fisch war einfach perfekt gebraten und der Kartoffelbrei den sie dazu gemacht hatte (Das Rezept hatte ihr irgendein Londoner beigebracht), den haette ich auch nicht besser hinbekommen. Dazu wurde das ganze noch mit Limone und Dill verziert angerichtet, kein bezahlbares Restaurant in Deutschland haette das besser hinbekommen.
In den folgenden Wochen hatten wir also unsere Privatkoechin. Ich war mir anfangs nicht ganz sicher, ob das irgendwie zur thailaendischen Mentalitaet gehoert, das Maenner nicht kochen sollen. Sie hat mir aber irgendwann erzaehlt, dass sie einfach wahnsinnig gerne kocht und in ihrem Zimmer keine Kochgelegenheit hat. Als Sie schliesslich mit Tueten vom Markt bepackt bei mir vor der Tuer stand um fuer alle ihre Freundinnen in der Bar zu kochen hab ichs dann wirklich geglaubt.
Pattaya selbst uebertrifft selbst das, auf das ich mich nach den zahlreichen Beschreibungen, die ich bisher gehoert hatte, eingestellt hatte. Das gesamte Stadtzentrum ist ein mehrere Quadratkilometer grosses Rotlichtvirtel. Das Zentrum von dem ganzen ist die sogenannte Walking Street, in der es auf einer Laenge von einigen hundert Metern fast nichts anderes gibt als Go-Go Bars und Bars mit leichten Maedchen. Waehrend die 'normalen' Bars dadurch auf sich aufmerksam machen, dass ein ganzer Chor von Maedchen hinter einem herruft, -winkt oder laeuft, werben die Go-Go Bars mit billigem Bier.
Es waehre wohl Heuchelei zu behaupten, dass wir uns nicht die eine oder andere mal von innen angesehen haetten. Mit auf den Tischen Tanzenden Maedchen hatte ich schon gerechnet, mit dem was wir in einigen der Bars gesehen haben ganz bestimmt nicht.
Warum das Bier gerade in den Go-Go Bars am billigsten gewesen ist, war dann auch nicht schwer herauszufinden. Insbesondere die aeltere Kundschaft in den Laeden wird schnell von Taenzerrinnen umringt, die alle auf einen Drink, dann einen wirklich teuren, eingeladen werden wollen.
Nach einer Woche sind wir in ein etwas guenstigeres Appartment gewechselt. Wir hatten es eigentlich ausgesucht, weil es eine Kueche hatte nur um nach dem Check-In feststellen zu muessen, dass es weder Teller noch Tassen, noch sonst irgendetwas gab was man so zum kochen benoetigt. Bernhards Flug ging eine Woche spaeter, so dass es sich gerade eben noch gelohnt hat die fehlenden Toepfe usw. zu kaufen damit wir weiter kochen konnten (bzw. uns bekochen lassen konnten). Mitnehmen konnten wir das ganze Zeug natuerlich nicht, so dass sich unsere Koechin schliesslich ueber eine kleine Kuechen-Grundausstattung freuen konnte.
(das mit den Bildern klappt hier leider auch nicht)

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